GLOBALE, REGIONALE UND NATIONALE TRENDS

Seit dem Jahr 2000 wurden bei der Bekämpfung von Hunger signifikante Seit dem Jahr 2000 wurden bei der Bekämpfung von Hunger signifikante Fortschritte erzielt. Damals betrug der durchschnittliche Gesamtwert des Welthunger-Index (WHI) für die Entwicklungsländer 30,0; der WHI-Wert 2016 beläuft sich dagegen auf 21,3, was einen Rückgang um 29 Prozent bedeutet (Abb. 2.1).1 Wie die Schweregradskala illustriert, ist die Hungersituation umso ernster, je höher der Wert liegt. Werte zwischen 20,0 und 34,9 werden als „ernst“ eingestuft.

Obwohl also die Gesamtwerte des WHI für die Entwicklungsländer sowohl für 2000 als auch für 2016 als „ernst“ eingestuft werden müssen, lag der frühere Wert näher an einer Einstufung als „sehr ernst“, während sich der aktuelle Wert der Kategorie „mäßig“ annähert. Dieser Verbesserung liegen Verringerungen bei allen Indikatoren des WHI - die Verbreitung von Unterernährung, Auszehrung, Wachstumsverzögerung und Kindersterblichkeit – zugrunde.

WHI Kapitel 2 Abbildung 1

Große regionale Unterschiede

Die globalen Durchschnittswerte verschleiern dramatische Unterschiede zwischen einzelnen Regionen und Ländern. In Afrika südlich der Sahara und in Südasien werden 2016 mit 30,1 und 29,0 die höchsten WHI-Werte verzeichnet. Beide Hungerwerte sind als „ernst“ einzustufen. Dagegen liegen die WHI-Werte in Ost- und Südostasien, dem Nahen Osten und Nordafrika, Lateinamerika und der Karibik sowie in Osteuropa und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten zwischen 7,8 und 12,8 Punkten und spiegeln damit mäßige oder niedrige Hungerwerte wider.

Beste und schlechteste Länderergebnisse

Ein Vergleich der WHI-Werte der Jahre 2000 und 2016 zeigt, dass 22 Länder ihre Werte um 50 Prozent oder mehr senken und damit bemerkenswerte Fortschritte erreichen konnten. 70 Länder erzielten mit einer Reduzierung ihrer Werte zwischen 25,0 und 49,9 Prozent ebenfalls beträchtliche Verbesserungen, und 22 Länder senkten ihre WHI-Werte um weniger als 25 Prozent. Trotz dieser Fortschritte ist die Hungersituation in 52 Ländern noch immer „ernst“ oder „sehr ernst“. Ruanda, Kambodscha und Myanmar, im oberen Bereich von Abbildung 2.3, erreichten zwischen 2000 und 2016 mit einer Reduzierung der Werte um etwas über 50 Prozent den höchsten prozentualen Rückgang des Hungers unter denjenigen Ländern, deren Hungersituation als „ernst“ oder „sehr ernst“ einzustufen ist. Alle drei Länder waren in den Vergangenen Jahrzehnten von Bürgerkriegen und politische Instabilität betroffen; die Verbesserungen könnten das Resultat größerer politischer Stabilität widerspiegeln.

GHI Kapitel 2 Abbildung 3

Sieben Länder leiden noch immer unter „sehr ernstem“ Hunger. Der Großteil dieser Länder liegt in Afrika, südlich der Sahara: Madagaskar, Sambia, Sierra Leone, Tschad und die Zentrale Afrikanische Republik. Die Ausnahmen bilden Haiti und die Republik Jemen. Die Zentralafrikanische Republik und der Tschad – in der unteren rechten Ecke der Grafik angesiedelt – geben offenkundig Anlass zur Besorgnis. Diese beiden Länder weisen die höchsten WHI-Werte des vorliegenden Berichts auf und konnten seit 2000 den Hunger nur geringfügig mindern. In der Zentralafrikanischen Republik belasten Gewalt und Massenflucht wegen eines seit vier Jahren anhaltenden Bürgerkriegs die Nahrungsproduktion schwer (FAO 2016a). Auch der Tschad musste lange Bürgerkriege verkraften und ist mit einem Verlust an Ernährungssicherheit konfrontiert, der zum Teil auch auf einen Zustrom von Flüchtlingen und extreme Wetterereignisse zurückgeht (FAO 2016b). An diesen beiden Länderbeispielen zeigt sich deutlich, dass selbst signifikante Fortschritte bei der Hungerbekämpfung nicht ausreichen, um den Hunger weltweit zu überwinden, da gewaltsame Konflikte, schlechte Regierungsführung und klimabedingte Auswirkungen auf die Landwirtschaft den Hunger dennoch aufrechthalten. Neue Handlungsansätze sind daher gefragt.

Für den vorliegenden Bericht konnten für 13 Länder keine aktuellen WHI-Werte errechnet werden, weil für sie keine Daten zur Verbreitung von Unterernährung vorliegen und zum Teil auch Daten oder Schätzungen zu Wachstumsverzögerung und Auszehrung bei Kindern fehlen. Eine Analyse der vorliegenden Daten zur Ernährungssicherheit ist daher für ein bestmögliches Verständnis der Lage in diesen Ländern umso wichtiger, vor allem, da einige von ihnen die weltweit größte Verbreitung von Unterernährung bei Kindern und die höchsten Kindersterblichkeitsraten aufweisen. Außerdem ist es dringend notwendig, für diese Länder schnellstmöglich aktuelle Daten zur Verfügung zu stellen.

Hungerregionen in einzelnen Ländern

Die Untersuchung einzelner WHI-Indikatoren auf subnationaler oder bundesstaatlicher Ebene offenbart Disparitäten innerhalb einzelner Länder, sowohl hinsichtlich absoluter Werte als auch in Bezug auf Veränderungen über einen bestimmten Zeitraum hinweg. So verzeichnen zum Beispiel Jordanien und Mexiko im landesweiten Durchschnitt niedrige Hungerwerte, die Einzelindikatoren variieren jedoch je nach Bundesstaat beträchtlich. Auch innerhalb Sambias und Sierra Leones – beide mit Hungerwerten der Kategorie „sehr ernst“ – variieren die Werte der einzelnen WHI-Indikatoren stark. In Kambodscha konnten seit 2000 die eindrucksvollsten Fortschritte bei der Senkung des WHI-Werts erreicht werden. Dabei waren die Ergebnisse in manchen Provinzen allerdings erheblich besser als in anderen. Beispiele für Disparitäten dieser Art können als Ausgangspunkt für die weitere Erforschung der spezifischen Umstände, Herausforderungen und Veränderungen der Hungersituation auf subnationaler Ebene dienen.


  1. Die regionalen und globalen Gesamtwerte für jeden einzelnen Indikator werden als bevölkerungsgewichtete Durchschnittswerte unter Anwendung der in Anhang C aufgeführten Indikatorenwerte errechnet. Bei Ländern, für die keine Daten zur Unterernährung vorliegen, wurden die globalen und regionalen Gesamtwerte anhand vorläufiger Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO) ermittelt, die aber in Anhang A nicht aufgeführt werden. Die regionalen und globalen WHI-Werte werden anhand der regionalen und globalen Gesamtwerte jedes einzelnen Indikators und der in Anhang A erklärten Formel errechnet.