KONZEPTE VON HUNGER

Hunger bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch die Qual, die durch einen Mangel an Nahrung erzeugt wird. Die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen (FAO) definiert Nahrungsentzug oder Unterernährung (engl. „undernourishment“) als die Aufnahme von weniger als etwa 1.800 Kilokalorien am Tag; das ist das Minimum, das die meisten Menschen für ein gesundes und produktives Leben benötigen. 1

Unterernährung (engl. „undernutrition“) geht über die Kalorienaufnahme hinaus und bezeichnet eine unzureichende Versorgung mit Energie, Proteinen oder wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen. Sie ist das Ergebnis einer unzureichenden Nahrungsaufnahme – entweder hinsichtlich der Menge oder der Qualität – oder einer mangelhaften Nährstoffverwertung aufgrund von Infektionen oder anderen Krankheiten, beziehungsweise einer Kombination dieser Faktoren. Diese gehen ihrerseits auf verschiedene Auslöser zurück, darunter mangelnde Verfügbarkeit von oder mangelnder Zugang zu Nahrung auf Haushaltsebene, inadäquate Fürsorgepraktiken für Kinder sowie ein nicht ausreichender Zugang zu Gesundheitsdiensten, zu sauberem Wasser und zu Sanitärversorung.

Fehlernährung (engl. „malnutrition“) bezieht sich sowohl auf Unterernährung (Probleme des Mangels) als auch auf Überernährung (unausgewogene Ernährung, etwa durch die Aufnahme zu vieler Kalorien im Vergleich zum Bedarf, mit oder ohne eine zu geringe Aufnahme vitamin- und mineralstoffreicher Nahrungsmittel).

Im vorliegenden Bericht bezieht sich der Begriff “Hunger” auf den Index, der auf den vier Teilindikatoren basiert (Unterernährung, Auszehrung bei Kindern, Wachstumsverzögerung bei Kindern und Kindersterblichkeit). In ihrer Gesamtheit spiegeln diese Indikatoren Kaloriendefizite genauso wider wie Mängel an Mikronährstoffen. So bildet der WHI beide Aspekte des Hungers ab.


  1. Die FAO berücksichtigt bei der Berechnung des durchschnittlichen Mindestenergiebedarfs (für eine Person mit geringer körperlicher Aktivität) einer Bevölkerung deren Zusammensetzung nach Alter und Geschlecht. Der Bedarf ist demzufolge von Land zu Land unterschiedlich (von ca. 1.650 bis über 1.900 Kilokalorien pro Person und Tag in Entwicklungsländern im Zeitraum von 2014 bis 2016, nach FAO 2016). Die Unterernährung wird anhand des durchschnittlichen Mindestenergiebedarfs der Bevölkerung eines Landes für geringe körperliche Aktivität geschätzt (FAO, IFAD und WFP 2015).