Über den Welthunger-Index

Was ist der Welthunger-Index?

Der Welthunger-Index (WHI) ist ein Instrument, mit dem die Hungersituation sowohl weltweit als auch in ausgewählten Regionen und Ländern umfassend dargestellt wird.1 Er wird jedes Jahr vom Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungs- und Entwicklungspolitik (IFPRI) berechnet und zusammen mit der Welthungerhilfe und Concern Worldwide herausgegeben, um damit die Fortschritte – oder deren Ausbleiben – bei der Reduzierung des Hungers zu bewerten. Der WHI soll zu gesteigertem Bewusstsein und Verständnis für Unterschiede zwischen Regionen und Ländern im Kampf gegen den Hunger beitragen. Wir hoffen, dass dieser Bericht und die Sensibilisierung für dieses Thema helfen, weltweite Initiativen zur Hungerbekämpfung anzustoßen.

Wie sind die WHI-Werte zu interpretieren?

Wenn der WHI-Wert eines Landes ansteigt, weist dies auf eine Verschlechterung der Hungersituation hin. Eine Verringerung des Wertes kennzeichnet dagegen eine Verbesserung der Hungersituation.

Worauf basieren die Werte?

Die Werte basieren auf Originaldaten für die vier Indikatoren. Die Basisdaten für diese Indikatoren werden von den internationalen Organisationen, die sie zusammentragen, kontinuierlich überprüft, was sich in den jährlichen WHI-Berichten widerspiegelt. Der WHI 2016 spiegelt Daten und Projektionen auf Länderebene aus dem Zeitraum 2010 bis 2016 wider.

Welche vier Indikatoren werden in der Formel zur Berechnung des WHI berücksichtigt?

Die vier Indikatoren sind:

  • Unterernährung: der prozentuale Anteil der Unterernährten an der Bevölkerung (Indikator für den Anteil der Menschen, die ihren Kalorienbedarf nicht decken können (engl. „undernourishment“);
  • Auszehrung bei Kindern: der Anteil von Kindern unter fünf Jahren, die ausgezehrt (engl. „child wasting“) sind (zu niedriges Gewicht in Bezug auf die jeweilige Körpergröße, ein Beleg für akute Unterernährung);
  • Wachstumsverzögerung bei Kindern: der Anteil von Kindern unter fünf Jahren, die wachstumsverzögert (engl. „child stunting“) sind (zu geringe Körpergröße in Bezug auf das jeweilige Alter, ein Beleg für chronische Unterernährung); und
  • Kindersterblichkeit: : die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren (ein Indikator, der zum Teil das fatale Zusammenwirken von mangelnder Nährstoffversorgung und einem ungesunden Umfeld widerspiegelt). 2

Warum werden die Werte anhand dieser vier Indikatoren berechnet?

Hunger ist ein Problem mit vielen Dimensionen. Um die verschiedenen Dimensionen des Hungers widerzuspiegeln, umfasst der WHI vier Indikatoren zur Berechnung der Index-Werte. Bei der Messung von Hunger bietet dieser multidimensionale Ansatz mehrere Vorteile. Er berücksichtigt sowohl die Versorgungslage der Bevölkerung insgesamt als auch die Ernährungslage von Kindern, einer besonders gefährdeten Gruppe, bei der eine Unterversorgung mit Nahrungsenergie, Proteinen oder Mikronährstoffen (also mit lebenswichtigen Vitaminen und Mineralstoffen) zu einer erhöhten Gefährdung durch Krankheit, einer mangelhaften körperlichen und geistigen Entwicklung oder zum Tod führt. Darüber hinaus kann durch die Kombination unabhängig voneinander gemessener Indikatoren der Einfluss zufallsbedingter Messfehler verringert werden.

Für welche Länder liegen WHI-Werte vor?

Der WHI 2016 wurde für 118 Länder ermittelt, für die Daten zu allen vier Indikatoren verfügbar sind und für die eine Berechnung des Hungerniveaus besonders relevant erscheint. Einige einkommensstarke Länder wurden bei der Berechnung des Index nicht einbezogen, da die Verbreitung von Hunger dort sehr gering ist.

Woher stammen die Daten?

Die Basisdaten des WHI werden von den internationalen Organisationen, die sie zusammenstellen, kontinuierlich überprüft, was sich in den WHI-Berichten widerspiegelt. Diese Korrekturen führen zu einer stetigen Verbesserung der Datenqualität, haben jedoch gleichzeitig zur Folge, dass die WHI-Werte aus Berichten verschiedener Jahre nicht miteinander vergleichbar sind. Der vorliegende Report führt dennoch neben dem aktuellen WHI-Wert vier weitere Referenzjahre auf, nämlich 1992, 2000, 2008 und 2016. Sie wurden allesamt unter Verwendung der der aktualisierten Daten errechnet und erlauben so fundierte Vergleiche von Hungerwerten im Verlauf der Zeit.

Wie aktuell ist der WHI?

Der WHI kann nur so aktuell sein wie die Daten zu den vier Indikatoren, auf denen er beruht. Der diesjährige WHI berücksichtigt auf Länderebene Zahlen und Projektionen für die Jahre 2011 bis 2016. Damit spiegelt er die Hungerwerte während dieses Zeitraums wider, anstatt lediglich die Situation im Jahr 2016 festzuhalten.3

Welche Perioden werden durch die Daten abgedeckt?

Die vorliegenden WHI-Werte für 1992, 2000, 2008 und 2016 wurden auf Grundlage der aktuellsten überarbeiteten Daten für die vier Indikatoren errechnet. Die WHI-Werte für 1992 basieren auf Daten von 1990 bis 1994, die WHI-Werte für 2000 basieren auf Daten von 1998 bis 2002, die WHI-Werte für 2008 basieren auf Daten von 2006 bis 2010 und die Werte für 2016 basieren auf Daten und Projektionen von 2011 bis 2016. Soweit keine Originaldaten vorlagen, wurden auf Grundlage der aktuellsten verfügbaren Werte Schätzungen für die WHI-Indikatoren vorgenommen.

Was ist neu an der diesjährigen Berechnungsformel?

Seit dem Jahr 2015 werden die WHI-Werte nach einer überarbeiteten und verbesserten Formel berechnet. Untergewicht bei Kindern als einziger Indikator kindlicher Unterernährung wurde durch zwei Indikatoren ersetzt, Auszehrung bei Kindern und Wachstumsverzögerung bei Kindern, die in den WHI-Berechnungen gleich gewichtet sind. Außerdem werden nun alle Einzelindikatoren standardisiert, damit ihr jeweiliger Beitrag zum Gesamtindex und zu Veränderungen bei WHI-Werten im Verlauf der Zeit ausgeglichen werden kann.

Konnten für alle Länder WHI-Werte berechnet werden?

Nein, wegen fehlender Daten konnte der WHI für 13 Länder nicht berechnet werden. Allerdings wurden aufgrund bestehender Daten internationaler Organisationen, die sich auf Hunger und Mangelernährung spezialisieren, 10 dieser Länder identifiziert, nämlich Burundi, die Demokratische Republik Kongo, Eritrea, die Komoren, Libyen, Papua-Neuguinea, Somalia, Sudan, Süd Sudan und Syrien, die Anlass zu erheblicher Sorge geben. Eine Analyse der vorliegenden Daten zur Ernährungssicherheit ist daher für ein bestmögliches Verständnis der Lage in diesen Ländern umso wichtiger, vor allem da einige von ihnen die weltweit größte Verbreitung von Unterernährung bei Kindern und die höchsten Kindersterblichkeitsraten aufweisen.

Wie kann das Problem lückenhafter Datenerfassung gelöst werden?

Weitere Fortschritte bei der Erhebung hochwertiger Daten würden zu einer vollständigeren und aktuelleren Einschätzung der weltweiten Hungersituation beitragen und damit eine bessere Steuerung der Maßnahmen zur Hungerbekämpfung erlauben.

Weitere Informationen finden Sie auf: www.welthungerhilfe.de/welthungerindex


  1. Hintergrundinformationen zum WHI-Konzept sind zu finden in Wiesmann (2004) und Wiesmann, von Braun und Feldbrügge (2000). 

  2. Jüngsten Schätzungen zufolge ist Unterernährung für 45 Prozent der Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren verantwortlich (Black et al. 2013).  

  3. Die aktuellsten Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO) zur Unterernährung enthalten Prognosen für 2014–2016, die in die Berechnung des WHI 2015 einflossen (FAO, IFAD und WFP 2015).